SchreibBlog

Soundtrack

titelmelodie

morgenwolken tragen
schweres geschütz
in den ungeübten tag
trommelwirbel
auf geplantem dach
schlafablösung

der atem grollt
fernbrechende wellen
in den schlafsackkragen
hauchnebel zieht
in die unschärfen
der nahaufnahme

vier augen malen
neugierige gesichter
aus eiskristallen
die im sog gespannter
lungenflügel knisternd
wieder entschwinden

und beide liegen
lachend in die zeit
blinzeln über
herbstlichtes rentierfjell
selbstkomponiertes summend
zur reißverschlussmusik
da capo
immer wieder

November 2010

Sound of silence

Um nichts

Manchmal dröhnend
wie Luftblasen im Eis
doch hält sie Federn in ihrem Flug
trägt den Wind

Das Irgendwann
befleckt sie mit Deckweiß
optischer Schalldämpfer
kreidebleicher Akustik aus Ton

Sie hat Vornamen
wie Drahtseile
schneidet den Lehm
in Leertastenscheiben

Ihr Mantel ist
fristloses Schweigen
verruchter Sirenen
in einsamer Bucht

Selten kommt sie
wie gerufen
Sie ist Stille
das Nachtalphabet

September 2010

Übers Wetter...

Cumulus nimbus

Graue Wolkenschafe
donnerbalgen sich
den Berg hinauf
nicht nur spielen
an Tagen wie diesen
und an anderen
schütteln sie Glasgeschosse
aus der satten, schweren Wolle
funkenregnen scharfe Augenblicke
mit einem Blinzeln
vor die Fenstersimse
klimpern dissonant
ein Tropfenstandbild
das bleibt
als weiße Weste auf den Hängen
und Pfade perlenfließen
zurück ins Tal
das Meer greifen
enden wider den Anfang
wo sie warten
auf die Rückkehr
der Wolkenschafe
und ihren schroffen Gesang

Moneglia, April 2010

Sommer in Island

 

Reykjavík, Sommernachtstraum

kühl und blond
die Dunkelkammer
(lichtdurchflutet)
wo tanztrunkene Meutemenschen
in ihren Sonnenbrillen
schlafen gehen

die Nacht sucht kurz Halt
in der zappelnden Luft
und fällt fast ungesehen
zurück hinters Meer

ein Sterntag prickelt noch
auf der Rhabarberzunge
isländisch süß-sauer
und im Frühtau der Musik
klatschen dicke Tropfenbässe
auf die Asphaltmembran
der einen Stadt

Island, Juli 2009

 

 

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